Die Diskussion zeigt, dass Gender ein feministischer Begriff ist. Da der Begriff
jedoch Verschiedenes in den unterschiedlichen feministischen Ansätzen bedeutet,
lässt er sich nicht eindeutig definieren. Es kristallisieren sich zudem
mindestens zwei Gebrauchsweisen mit je unterschiedlichen Intentionen heraus.
Erstens als (Analyse-)Kategorie, die es ermöglicht, Ausgrenzungs- und Privilegierungsmuster
in Gesellschaften entlang einer geschlechtlichen Ordnung zu erkennen und zu benennen.
Die meisten feministischen Ansätze gebrauchen Gender in diesem Sinne, wenn
es zum Beispiel um die - besonders auch hierzulande – eklatante Unterrepräsentanz
von Frauen in Führungspositionen oder über die überproportional
hohe Armut unter Frauen weltweit geht.
Doch gibt es auch eine
zweite, weniger beachtete Dimension, die die Vorannahmen von Gender als gesellschaftlicher
Struktur problematisiert: Gender kann in diesem Sinne als normative Kategorie
gelten, die die Geschlechterordnungen erst herstellt ("doing gender").
Die entsprechende Utopie wäre eine Gesellschaft, die ohne eine Zweiteilung
entlang einer sozial konstruierten Demarkationslinie Gender auskommt. Dies
würde
jedoch auch eine andere politische Strategie zur Folge haben, da hier die Analysekategorie
Gender selbst problematisiert werden muss und es nunmehr um die Dekonstruktion
von Geschlecht(Degendering) geht.
Transgender- und queer-theoretische Ansätze erweitern und ergänzen
hier die feministische Diskussion unter Einbezug der Kategorie "Sexualität".
Diese neueren Ansätze machen deutlich, daß neben der zweigeschlechtlichen
Ordnung, die es zu de-konstruieren gilt, auch das Grundprinzip der Heteronormativität
eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung des geschlechtlichen Status
Quo spielt. Das Tabu der Homosexualität und Erotik unter Männern
ist wirkmächtig und stabilisiert traditionelle Geschlechterverhältnisse
entlang der Trennlinie "männlich=aktiv/mächtig, weiblich= passiv/ohnmächtig".
Gender Analysen zeigen in dieser Hinsicht, wie sich unsere gesellschaftlichen
Konstruktionsprozesse in Individuen, Gruppen und Organisationen abbilden, und
geben Impulse für eine Veränderung dieser Strukturen.
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Das gender büro:
Jens Krabel, Saskia Morell, Dr. Regina Frey